Hamburg hOERt ein HOOU! LEADR: Leitungskompetenz für lebendiges Arbeiten mit Gruppen

Mitwirkende:
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Nicola Wessinghage
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Margitta Holler
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Dr. Marc Casper

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16. November 2022

Margitta Holler, Leiterin der Projektgruppe LEADR an der HAW Hamburg, und Marc Casper, Humboldt Universität zu Berlin, im Gespräch mit Nicola Wessinghage

Margitta Holler, Leiterin Projektteam LEADR

Margitta Holler ist Organisationsberaterin, Weiterbildnerin und Coach. Sie arbeitet als Ausbilderin für Themenzentrierte Interaktion (TZI) und nutzt zudem die Transaktionsanalyse und das Dialogverfahren nach David Bohm. 

Sie arbeitet mit langjährigen Erfahrungen als organisationsinterne und auch als externe selbstständige Beraterin. Zuletzt leitete sie elf Jahre lang die Arbeitsstelle für Studium und Didaktik der HAW Hamburg und verfügt über umfangreiche Expertise in Hochschuldidaktik, Coaching an Hochschulen und Hochschulentwicklung. 

Margitta Holler sieht das ganzheitliche Konzept der TZI als Kompass für wertebasierte Veränderung für einzelne Menschen, Gruppen und Organisationen.

Margitta Holler bei LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/margitta-holler-59451362/

Dr. Marc Casper, Projektteam LEADR

Marc Casper hat mal eine Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht und irgendwas mit Geld studiert. Dabei fand er heraus, wie spannend und wichtig Wirtschaft eigentlich ist und wie schwer es aber sein kann, wirklich guten Wirtschaftsunterricht zu machen. So wurde er über einige Umwege schließlich Wirtschaftsdidaktiker und bildet heute Lehrkräfte für berufsbildende Schulen aus und weiter, im Lehramtstudium an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie in Fortbildungen für Lehrkräfte und in Schulentwicklungsprojekten. In seiner Arbeit mit Heran- und Erwachsenen spielt die Themenzentrierte Interaktion eine große Rolle, er befindet sich in der praktischen TZI-Ausbildung und setzt sich auch wissenschaftlich mit ihr auseinander.

Links:

Das LEADR-Tool bei der HOOU: https://www.hoou.de/projects/leadr-leadership-with-reflection

Angebotsplattform TZI: https://www.tci-living-learning.org/

Der Film „Ein Weg zur Menschlichkeit” über den Hintergrund und die Entwicklung der TZI: https://vimeo.com/731380799

Feedback, Anregungen und Kommentare:

Twitter @ HOOU_HAW

via E-mail: team_hoou@ haw-hamburg.de

Musik: Jakob Kopczynski

Abenteuer Rechtsmedizin: Wissenschaft mit Gruselfaktor

Das Lernangebot „Abenteuer Rechtsmedizin“, entwickelt vom Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) und bereitgestellt auf der Lernplattform der Hamburg Open Online University (HOOU), vermittelt spielerische Einblicke in die Welt der Forensik. Egal, ob du über eine Karriere in dem Bereich nachdenkst oder einfach nur am Thema interessiert bist: Das Spiel lässt dich in den Arbeitsalltag eines jungen Rechtsmediziners eintauchen. Ich habe das Lernangebot getestet. Achtung: Spoiler-Alarm!

Tatort, Sherlock Holmes, Kommissar Wallander– zahlreiche Serien, Filme und Bücher drehen sich um Kriminalfälle. Bei der Aufklärung der Verbrechen spielen Rechtsmediziner*innen eine bedeutsame Rolle. Sie werden bei ungewöhnlichen Todesfällen im Auftrag der Staatsanwaltschaft oder eines Gerichtes tätig und untersuchen die Körper der Toten auf Hinweise etwa zu Todeszeitpunkt oder -ursache. Der alltägliche Umgang von Rechtsmediziner*innen mit Verstorbenen ruft bei vielen eine Mischung aus Faszination und Unbehagen hervor.

Wie der Arbeitsalltag in der Rechtsmedizin aussieht und mit welchen Methoden sie arbeitet, ist dagegen den meisten Menschen nicht bekannt: Was machen Rechtsmediziner*innen eigentlich genau? Das können Interessierte anhand des Lernangebots „Abenteuer Rechtsmedizin“ spielerisch herausfinden.

(Rechts-)Medizinisches Know-How spielerisch vermittelt

Das Spiel richtet sich an alle, die sich für das Thema Rechtsmedizin interessieren und ist in deutscher sowie in englischer Sprache verfügbar. Vorwissen ist nicht erforderlich. Gespielt wird online im Browser oder offline über eine Android-App.

Mit „Point & Click“ der Todesursache auf die Spur kommen

Das Spiel arbeitet nach dem „Point & Click“-Prinzip: Ich fahre mit dem Mauszeiger über das Bild und kann Objekte anklicken, zum Beispiel einen Körperteil der verstorbenen Person. Dann öffnet sich eine Auswahl von Werkzeugen, darunter verschiedene medizinische Instrumente und eine Hand, mit denen ich mit dem ausgewählten Objekt interagieren kann. So lässt sich zum Beispiel die Körpertemperatur messen oder eine äußere Leichenschau durchführen. Aber nicht vergessen: nach der Obduktion den Körper wieder zunähen!

Vielfältige Aufgaben lösen

Zu lösen gibt es fünf verschiedene und zum Teil echt gruselig klingende Fälle, die einen Einblick in das breite Aufgabenspektrum der Rechtsmediziner*innen geben:

  • „Todeszeitbestimmung am Leichenfundort“,
  • „Äußere Leichenschau: Todesursache und Todesart“,
  • „Das Skelett im Wald“,
  • „Der Vaterschaftstest“,
  • „Fahrt im Rausch“.

Als Spielerin schlüpfe ich in die Rolle eines jungen Assistenzarztes, der seinem Chef helfen muss, das Ableben der Verstorbenen aufzuklären.

Angespielt: Ermittlung des Todeszeitpunktes am Leichenfundort

Ich entscheide mich für den ersten Fall: Todeszeitbestimmung am Leichenfundort. Als ich das Spiel öffne, fällt mir sofort die ansprechend gezeichnete Spieloberfläche im Comic-Stil ins Auge: Die schwarzweiße Farbgebung sorgt für eine schaurig-schöne Atmosphäre, ich fühle mich gleich mittendrin in meinem ersten rechtsmedizinischen Fall. Wer es noch dramatischer mag, kann zusätzlich noch die Tonspur aktivieren und sein Abenteuer von spannungsgeladener Musik begleiten lassen.

Zurück zu meinem Fall: Am Tatort wartet schon mit besorgter Miene die Polizeibeamtin, die mir die Situation schildert: Herr Müller wurde tot in seiner Wohnung gefunden. Nur: Wie lange liegt er schon da? Der Todeszeitpunkt muss ermittelt werden – von mir.

Die darauffolgende Szene zeigt einen leblosen Körper, der auf dem Boden eines schummrig beleuchteten Zimmers liegt. Ein Klick in das Bild erhellt den Raum. Etwas ratlos schaue ich mich zunächst erstmal um. In der Ecke finde ich einen Notizzettel mit meinen To-Dos: Um den Todeszeitpunkt zu ermitteln, muss ich die elektrische und die mechanische Erregbarkeit der Muskulatur untersuchen. Außerdem soll ich überprüfen, ob Leichenflecken oder eine Kieferstarre vorliegen und welche Körpertemperatur der Tote hat. Als aufstrebender Assistenzarzt gebe ich natürlich alles, um den Fall zu lösen. Nur: Wie geht das alles?

Ich klicke auf den Oberkörper des Toten und sehe eine Reihe von Werkzeugen, die mir bei der Arbeit helfen. Ich wähle zunächst eine Hand aus und ziehe diese auf den Oberkörper der Leiche. Eine Notiz erscheint, die mir sagt, dass ich versuchen muss, die Leichenflecken wegzudrücken. Ich werfe einen Blick ins Kurzlehrbuch: ganz schön viel Text! Dafür lerne ich, wie sich anhand der Leichenflecken auf den Todeszeitpunkt schließen lässt. Im Falle meines „Patienten“ lassen sich diese noch nahezu vollständig wegdrücken. Meine erste Schlussfolgerung lautet: Der Todeszeitpunkt liegt sehr wahrscheinlich noch nicht länger als 20 Stunden zurück.

Mit dem Thermometer messe ich als nächstes die Körpertemperatur: Der Körper des Toten ist bereits auf 32,3°C runtergekühlt – ein Zeichen dafür, dass der Tod vor 10 bis 16 Stunden eingetreten sein muss.

Als nächstes widme ich mich dem Kopf des Verstorbenen. Hier messe ich mit einem Reizstromgerät die Erregbarkeit der mimischen Muskulatur. Inzwischen schon etwas routinierter ziehe ich das Gerät auf das Gesicht des Verstorbenen: Das Augenoberlid zuckt noch. Das Ergebnis deutet auf einen Todeszeitpunkt vor weniger als 16 Stunden hin. Dass der Tod vor maximal 13 Stunden eingetreten sein muss, wird auch durch die mechanische Erregbarkeit der Skelettmuskulatur, die ich mit einem Reflexhammer am Oberarm des Verstorbenen messe, bekräftigt. Dann prüfe ich mit der Hand, ob und wie stark die Leichenstarre an Kiefergelenk sowie Armen und Beinen eingetreten ist: Der Tod muss vor 4 bis 20 Stunden eingetreten sein.

Meine Untersuchungen zeigen also: Der Tod muss vor 10 bis 13 Stunden eingetreten sein. Ich gebe meinen Tipp ab und liege richtig. Zur Belohnung stellt mir der Oberarzt eine Beförderung in Aussicht. Lief doch schon mal ganz gut!

Fazit

Das Lernangebot „Abenteuer Rechtsmedizin“ vermittelt spielerisch und anwendungsnah rechtsmedizinische Fachkenntnisse. Dabei laden die liebevoll gestaltete Spieloberfläche und die kniffeligen Fälle dazu ein, direkt in den Alltag der Rechtsmedizin einzutauchen. Die zu lösenden Aufgaben sind anspruchsvoll und bringen den Kopf zum Rauchen. Zum Lösen der Fälle muss das Gelernte kombiniert und eingeordnet werden – Gehirnschmalz und Transferleistung sind gefragt.

Wer noch nie ein „Point & Click“-Adventure gespielt hat, braucht vielleicht eine kurze Zeit, um sich an die Funktionsweise zu gewöhnen. Nicht immer sind die erforderlichen Schritte gleich ersichtlich. Aber: So ist es in der Realität ja auch und dranbleiben lohnt sich! Besonders gut gefallen hat mir die Verbindung von rechtsmedizinischem Handwerk und wissenschaftlichem Hintergrundwissen. Das Kurzlehrbuch ist informativ, die komplexe Thematik verlangt den Spielenden jedoch einiges ab. Ein Plus: Mir als Spielerin bleibt es selbst überlassen, wie tief sie in die rechtsmedizinische Materie eindringen will. Ich habe für die Lösung des ersten Falles etwa 20 Minuten benötigt. Die Tonalität des Spieles ist humorvoll und die Fragen im Quiz-Charakter machen es zu einem unterhaltsamen und kurzweiligen Erlebnis. Versuch es doch mal selbst! Vielleicht hast du ja das Zeug zur Rechtsmediziner*in?

Campus Innovation 17. und 18. November #CIHH22

Visual Campus Innovation 2022

Die Campus Innovation findet am 17. und 18. November online statt. Das diesjährige Konferenzmotto lautet “Teilhabe, Information Literacy und synthetische Medien – Herausforderungen für Wissenschaft und Gesellschaft”. Mit dabei sind u.a. Senatorin Katharina Fegebank, Jonas Schmidt-Chanasit, Annette Leßmöllmann, Christian Stöcker und Markus Beckedahl. Und auch die Hamburg Open Online University ist mit drei Workshops dabei.
Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung aus organisatorischen Gründen notwendig.

Zur Programmübersicht

Postskriptum #5: Wie geht interviewbasierter Theatertext?

Blick von oben auf eine schreibende Hand
Mitwirkende:

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– Ein Gespräch mit Anja Kerschkewicz und Eva Kessler vom Performancekollektiv Frauen und Fiktion

Frauen und Fiktion erarbeiten seit 2014 Performances zu Themen wie Gewalt, Sorge(-arbeit) und Lust. Dabei begeben sie sich im Vorfeld in intensive Recherchephasen und führen etliche Interviews mit Personen, die aus ganz unterschiedlichen Perspektiven zu den inhaltlichen Schwerpunkten ihrer jeweiligen Performance-Arbeit erzählen.

In diesem Postskriptum zum Schwerpunkt „Bühne & Text“ erzählen Frauen und Fiktion, wie sie mit der Fülle an Material umgehen, wie die Stimmen der Interviewpartner*innen es auf die Bühne schaffen und wie im Probenprozess eine Fassung entsteht.

Stadt, Land, Fluss – die Plattform „Relationen in Stadt und Landschaft“

Häuser. Straßen. Große Parks. Kleine Grünanlagen. Plätze. Siedlungen. Freistehende Villen. Wald. Gewerbegebiete. – Stadt und Landschaft umgeben uns alle. Studierende und Lehrende der HCU erforschen im Studiengang Architektur regelmäßig, was Städte und Landschaften ausmacht, wie sie sich aufeinander beziehen, welchen Entstehungsbedingungen sie sich verdanken. Die Ergebnisse der Seminare archivieren und präsentieren sie auf der Online-Plattform „Relationen in Stadt und Landschaft“. Und ermöglichen es damit auch neugierigen Lai*innen, mehr über das komplexe Verhältnis von gebautem Raum und Gesellschaft zu lernen.

Raster für Raster

Auf der Startseite der Plattform geht es optisch nüchtern, dafür aber sehr aufgeräumt los. Ich kann über das Header-Bild zwischen den Hauptkategorien „Stadt“ und „Landschaft“ wählen oder dank der Navigation unterm Header auch direkt in bestimmte Themenbereiche von „Stadt“ und „Landschaft“ einsteigen.

Screenshot

Da ich gar keine Ahnung von Architektur oder Stadtplanung habe, folge ich meinem Neugierradar und entscheide mich für „Stadtlandschaften“. Was damit wohl gemeint ist? Ein Klick auf den Pfeil öffnet einen kurzen Einführungstext. Aha, „Stadtlandschaft“ bezieht sich unter anderem auf eine „positive urbane Utopie“. Weitere Einsichten verspreche ich mir von dem Button „Projekte“.

Screenshot

Dann allerdings: große Verwirrung. Der Bildschirm vor mir zeigt ein Raster mit Abbildungen, Grafiken, Textelementen. Was soll das? Auf dem YouTube-Kanal der HOOU stoße ich auf ein Video, in dem Lehrende der HCU die Plattform vorstellen – sehr hilfreich! Jetzt komme ich wieder mit. Das, was ich laienhaft als „Raster“ bezeichnet habe, heißt in der Fachsprache “CIAM-Grid“. Es ermöglicht es, Projekte anhand von verschiedenen Kategorien systematisch zu analysieren, aufzubereiten und auf diese Weise vergleichbar und diskutierbar zu machen.

https://youtu.be/lwpbFeurN18

Blöd nur: Sobald die Inhalte abgehängt werden, geht der Zusammenhang verloren. Die Plattform „Relationen in Stadt und Landschaft“ bietet nun gewissermaßen ein virtuelles Grid an, auf dem die Studierenden ihre Semesterprojekte archivieren und dokumentieren – und damit auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich machen können.

Learning by Klicking

Die zugrunde liegende Idee ist denkbar einleuchtend: In der linken Spalte steht, um welche Stadt, Siedlung, Landschaftsart – oder in meinem Fall eben Stadtlandschaft – es geht. Nach rechts entfalten sich die Kategorien, unter denen die Projekte analysiert werden. Und das sind einige. Dazu gehören etwa Überlegungen zu Stadt- und Bodenpolitik, Auswirkungen von Landschaft und Klima, Analysen zu Nutzung, Aneignung und Gebrauch von Gartenstädten oder die Frage, wie sich aus ersten Ansätzen zu Gartenstädten schließlich typische Merkmale entwickelt haben.

Screenshot

Wenn ich es genau wissen möchte, zoome ich einfach per Klick in das jeweilige Feld im Grid und erfahre Details etwa zur Geschichte, zum Bewirtschaftungsformen oder lokalen Bedingungen, unter denen die Gartenstadt meiner Wahl entstanden ist. Extra gut: Die Programmierung erlaubt es mir, mich in jeder Kategorie nach oben oder unten zu klicken, sodass ich Informationen zu den einzelnen Projekten direkt vergleichen kann.

Fazit

Wenn man sich in die Logik des virtuellen Grid eingefuchst hat, bietet die Plattform „Relationen in Stadt und Landschaft“ einen reichen Fundus an Wissen zu stadtplanerischen, städtebaulichen, landschaftlichen und urbanistischen Aspekten. User*innen erleben durch die Grid-Struktur ganz unmittelbar, dass die Gestalt von Städten und Landschaften durch vielfältige Zusammenhänge entstehen. Der Aufbau der Plattform erlaubt es zudem, der eigenen Neugier zu folgen – so lässt sich assoziativ, aber dennoch systematisch lernen.

Ein bisschen Lust auf Fachsprache sollten Lernende außerdem mitbringen. Angst vor unverständlichem Fachsprech muss aber niemand haben.  

13.11.22 | 19:00 HPSCHD: Music Machine Eight Centuries Old – a lecture-performance by Elena Khurgina

“HPSCHD: Music Machine Eight Centuries Old” is a Hamburg Open Online University (hoou.de) project about harpsichord. It consists of a number of videos and texts and is currently in it’s final stages before publishing. In these, we are answering questions such as: Which kinds of keyboard instruments were there in the past? How did they differ? What music was written for these instruments and how do composers use the harpsichord nowadays? We also talk about how to play the instruments, what kind of problems can occur and how do you find solutions for them.

So, while we continue with the post-production of our videos, we would like to invite you to attend the live-event in the frame of this project. We will listen to and discuss early music pieces from the 16th to the 18th centuries as well as contemporary classical music written for the harpsichord in the second half of the 20th century.

Elena Khurgina is a harpsichordist, based in Hamburg, working in the field of early and contemporary music, and free improvisation. As a musician, she is interested in historical performance and in collaborative interdisciplinary projects that allow studying the relationship between modern and old, sound and vision, and music as a tool for non-verbal communication.

Elena was born in Kharkiv, Ukraine. She graduated Gnessin State Music Academy in Moscow in 2013 as a pianist and studied harpsichord as a second instrument. In 2017 Elena moved to Germany to focus on harpsichord. Currently, she is studying at Hochschule für Musik und Theater Hamburg with Prof. Menno van Delft and Prof. Carsten Lohff. She participated in master classes with Elisabeth Joyé, Menno van Delft, Skip Sempé, Christophe Rousset, Goska Isphording, and Jane Chapman.

Elena takes part in different festivals and concerts in Germany, France, Italy and the Netherlands as a soloist, basso continuo player, and member of the SPIIC Ensemble.

Elena Khurgina – Photo by Namoo Kim

Where? Hochschule für Musik und Theater Hamburg, Harvestehuder Weg 12, 20148 Hamburg, Fanny Hensel-Saal

When? Sunday, 13.11.2022, 19:00

Entrance: free of charge

NOTE: This lecture-performance will be recorded (audio and video). By coming, you are giving us the right to use the recorded material in which you might appear, and to later publish it under a CC BY SA license.

Language: English

Barrierearme Lehrmaterialien gestalten

Sie wollen Ihre Lehrmaterialien möglichst barrierearm gestalten, und es damit vielen Studierenden ermöglichen, schließlich gaben in einer Sozialbefragung 15% der Studierenden in Hamburg an, eine gesundheitliche Beeinträchtigung zu haben (1).

Zwei Frauen in einer Business-Besprechung. Illustration: The Little Things
by Susana Salas via Blush

Wie wird Behinderung definiert?

Nach  § 2 Abs. 1 SGB IX wird eine Behinderung und Beeinträchtigung folgendermaßen definiert:

„Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können. Eine Beeinträchtigung nach Satz 1 liegt vor, wenn der Körper- und Gesundheitszustand von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht. Menschen sind von Behinderung bedroht, wenn eine Beeinträchtigung nach Satz 1 zu erwarten ist. “ (2).

Was ist Barrierefreiheit?

2006 haben die Vereinten Nationen das „Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ (VN-BRK) erstellt, welches 2009 von der BRD ratifiziert wurde. 
Damit hat die Debatte um Menschenrechte und Barriereabbau in Deutschland neue Fahrt aufgenommen.

Wozu aber ist es wichtig, Barrierefreiheit in Bildungsthemen mitzudenken?
Dafür werfen wir einmal einen Blick auf die VN-BRK:

„Die Vertragsstaaten […] 
oin der Erwägung, dass Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit haben sollen, aktiv an Entscheidungsprozessen über politische Konzepte und über Programme mitzuwirken, insbesondere wenn diese sie unmittelbar betreffen […] 
vin der Erkenntnis, wie wichtig es ist, dass Menschen mit Behinderungen vollen Zugang zu […] Bildung sowie zu Information und Kommunikation haben, damit sie alle Menschenrechte und Grundfreiheiten voll genießen können, […] haben Folgendes vereinbart.“

In der Begriffserklärung wird ausgeführt, was Kommunikation in diesem Übereinkommen bedeutet: 

„Im Sinne dieses Übereinkommens
schließt „Kommunikation“ Sprachen, Textdarstellung, Brailleschrift, taktile Kommunikation, Großdruck, leicht zugängliches Multimedia sowie schriftliche, auditive, in einfache Sprache übersetzte, durch Vorleser zugänglich gemachte sowie ergänzende und alternative Formen, Mittel und Formate der Kommunikation, einschließlich leicht zugänglicher Informations- und Kommunikationstechnologie, ein;“

Und weiter heißt es in Artikel 24 zum Thema Bildung:

„(1) Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung. Um dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein integratives Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen […]“ (3).

Drei Personen diskutieren vor verschiedenen Charts. Es sieht nach einer Businessszene aus.
Drei Personen diskutieren vor verschiedenen Charts. Es sieht nach einer Businessszene aus. Illustration: Open Figures
by Bonnie Kate Wolf via Blush.

Warum brauchen wir Barrierefreiheit?

Nach den Ausführungen im VN-BRK wird deutlich, dass Menschen mit geistigen oder körperlichen Beeinträchtigungen durch Barrierefreiheit ermöglicht wird, stärker am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. 

In der Open Educational Resource (kurz OER) „OER barrierefrei gestalten“ wird die Sinnhaftigkeit von Barrierefreiheit in digitalen Medien erläutert. 
Neben der besseren Zugänglichkeit und Teilnahme von Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigung können auch andere Personenkreise von einer barrierearmen Gestaltung profitieren, wie z. B. Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist.

OER und Barrierefreiheit

Der Gedanke von OER ist der freie Zugang zu Bildungsmaterialen für alle und ohne Restriktionen. Natürlich haben auch OER ihre Grenzen, es gibt schließlich bestimmte Zugangsvoraussetzungen wie z. B. im Besitz eines Laptops o. Ä. zu sein, ein bestimmtes Bildungsniveau zu haben und generell alphabetisiert zu sein. Dennoch ist es besonders bei OER wichtig mit gutem Beispiel voranzugehen und so wenig Hürden wie möglich einzubauen. 

Schauen wir uns also die gängigsten Medienformate in OER an und wie wir diese möglichst barrierearm aufsetzen können: 

  • Textdokumente/PDF
  • Blogseiten
  • Videos
  • Podcasts
  • H5P-Elemente

Textdokumente/PDF

Für Textdokumente, die danach in PDF umgewandelt werden sollen, gilt vor allem eins: Formatierung, Formatierung, Formatierung!

Es kann gut mit der Formatierung des jeweiligen Textprogramms gearbeitet werden, das heißt, es sollte eine sinnvolle Strukturierung und Ordnung durch Überschriften aufgesetzt werden. Die Strukturierung hilft nicht nur den Nutzenden, sondern auch den Erstellenden, um den Überblick zu halten. 
Bilder und Grafiken sollten immer mit Alternativtext bestückt werden, damit Screenreader vorlesen können, was in den Bildern zu sehen ist. Kontraste sollten berücksichtigt werden, damit das Dokument gut lesbar ist. Also z. B. keine hellgraue Schriftfarbe auf weißem Hintergrund verwenden (4). Weitere und ausführlichere Hinweise zu barrierefreien Dokumenten finden sich in dem Dokument des „agilen Netzwerks für sehbeeinträchtigte Berufstätige“.

Blogseiten

Für Verschriftlichtes auf Blogs gelten in der Regel dieselben Grundsätze wie für Textdokumente, also (5):

Ein Dokument mit Überschriften der Ebene H1-H3
Überschriftenaufbau H1 ist die größte Überschrift bis H3 zur kleinsten Unterüberschrift. Eigene Darstellung
  • Eine gute Strukturierung und Formatierung des Texts (z. B. keine leeren Absätze)
  • Alternativtexte für Grafiken und Bilder, die Screenreader vorlesen können
  • Alternativen für Medien: Nach dem Zwei-Sinne Prinzip, d. h. Podcasts benötigen eine Transkription, Videos Untertitelung und am besten auch eine Hörversion (Audiodeskription).
  • Leichte Sprache verwenden, die einfach zu verstehen ist. Hilfreich kann auch ein Glossar sein, das kompliziertere Wörter erklärt.


Übrigens: Google indiziert Text, aber kein Audio, Bild oder Video. Transkripte und Alt-Attribute helfen also bei der besseren Platzierung in Suchmaschinen. In diesem Blogartikel ist das nochmal nachzulesen.

Weitere und ausführlichere Tipps finden Sie bei dem Projekt BIK für alle.

Auf dem Bild sitzt ein Mann vor einem Bildschirm und eine Pfeil zeigt durch Symbole, dass diese Website barrierefrei gestaltet ist.
Barrierefreie Websites
Sarah Franke Digital Campus / ZHAW Departement Soziale Arbeit unter der Lizenz CC BY 4.0 (Stand 31.01.2022)

Videos

Wie schon erwähnt, ist das Einstellen von Untertiteln bei Videos unabdingbar. Somit haben auch Menschen mit Hörbehinderung die Möglichkeit, die Videoinhalte zu verstehen.

Für Menschen mit Sehbehinderungen ist es von Vorteil, eine Audiodeskription des Videos zu erstellen, die man vielleicht auch vom Tatort aus der ARD-Mediathek kennt. 

Hierbei wird auf der Tonspur Bild für Bild beschrieben, was gerade passiert. 

Podcasts

Auch hier sollte es eine Struktur geben. Das bedeutet in dem Fall Kapitelmarker einzusetzen, um besser navigieren zu können. 
Außerdem sollte es für Menschen mit einer Hörbehinderung auch hier wieder eine Transkription geben, die den Podcast als verschriftlichen Dialog wiedergibt. 

Eine Anleitung zur Erstellung von Kapitelmarkern bei dem Anbieter Podcaster, finden Sie hier.
Für podlove gibt es hier eine Anleitung, allerdings nur auf Englisch.

Hierbei können Speech to text (STT) Programme helfen. Sehr akkurate Software kann kostspielig werden, aber ist sinnvoll, sofern Sie viel transkribieren müssen. Das Ausprobieren des kostenfreien browserbasierten Programms Speechnotes.co ergab, dass man sich mit ein wenig Übung Arbeit sparen kann, aber am Ende den gesamten Text nochmal auf eventuelle Fehler überprüfen sollte.

H5P-Elemente

Mit H5P (Abkürzung für HTML5 Package) lassen sich wunderbar barrierefreie und interaktive Lehrinhalte konzipieren. Daher eignet sich H5P bestens für die Erstellung von OER.
Da der Quellcode in H5P zudem offen ist, können Inhaltstypen von Entwickler:innen um Funktionen ergänzt oder nach den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Dies entspricht in besonderer Weise den Grundgedanken von OER.

In diesem Artikel auf lehre:digital hat Martina Schradi Impulse und wertvolle Links für den Einstieg in H5P zusammengetragen.

Oliver Tacke arbeitet gerade an einem neuen H5P-Tool, mit dem Transkripte zu Audio- und Videodateien erstellt werden können. Hier kann der Inhaltstyp ausprobiert werden und Feedback gegeben werden: https://www.olivertacke.de/labs/2022/10/25/ho-ho-ho-now-i-have-a-content-type-starting-with-t/

Person im Rollstuhl.
Person im Rollstuhl. Illustration: Brazuca
by Cezar Berje via Blush

Barrierefreiheit in der Lehre

Wie verhält es sich mit der barrierearmen Lehre an den Hochschulen in Deutschland? Bei der Recherche für diesen Artikel wurde klar, dass viele Hochschulen in Deutschland sich bereits Gedanken zu dem Thema machen. Weiter unten finden Sie viele Handreichungen und Checklisten, die bei der Gestaltung weiterhelfen können.
Nun werfen wir noch einen Blick auf die Hamburger Hochschulen und die HAW Hamburg im Besonderen. So ist im Inklusionsplan der HAW Hamburg folgendes Zitat zu finden.

Die Lehre an der HAW Hamburg ist frei von Diskriminierung und weiteren Barrieren.

Inklusionsplan der
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Dieser Leitspruch wird im Hamburger Hochschulgesetz (kurz HHGstz §3) nochmal konkretisiert.

HHGstz §3 (8)
Die Hochschulen sind gesetzlich dazu verpflichtet darauf hinzuwirken, dass Studierende mit Behinderung in ihrem Studium nicht benachteiligt werden und sie die Angebote der Hochschulen möglichst ohne fremde Hilfe in Anspruch nehmen können.

Anregungen, wie Sie die Lehre abseits digitaler Medien möglichst barrierearm gestalten können, finden Sie in dieser Handreichung der HAW Hamburg.

In dieser Checkliste der Gleichstellungsbeauftragten können Sie herausfinden, ob Ihre Lehre und ihr Lernraum barrierearm aufgebaut sind.

Weiterführende Informationen und Quellen

[1] Poskowsky, J. et al. (2018): beeinträchtigt studieren – best2: Datenerhebung zur Situation Studierender mit Behinderung und chronischer Krankheit 2016/2017, hrsg. vom Deutschen Studentenwerk, Berlin 2018.

[2] § 2 Abs. 1 SGB IX 

[3] Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen 2008
Seiten 2 ff, 18 ff

[4] Quick Guide. Barrierefreie Word-Dokumente agnes@work c/o DVBS e.V., Marburg 2022

[5] Webinhalte barrierefrei pflegen – ein Leitfaden für Online-Redakteure
BIK für Alle, Hamburg 2022

Linkliste

DOROTHEE WAGNER begleitet, berät und unterstützt OER-Projekte, die von der HOOU@HAW gefördert werden. Seit Herbst 2021 arbeitet sie mit an dem Aufbau eines Hochschulübergreifenden Qualitätsmanagement. Zudem kümmert sie sich um die Außenkommunikation der HOOU@HAW, schreibt Blogbeiträge und entwirft Social Media Strategien. 


Diese Inhalte sind, wenn nicht anders vermerkt, lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.
Lizenzhinweis: Barrierearme Lehrmaterialien gestalten, Dorothee Wagner | HOOU@HAW, CC BY 4.0.

„How to Gestaltungsberatung“ – neues Tool fördert Teilhabe an öffentlicher Gestaltung

Vernachlässigte Grünfläche, heruntergekommener Kellereingang, ein nicht einladender Kiez-Treffpunkt – überall im öffentlichen Raum gibt es Orte, die den Bedürfnissen der Anwohnenden nicht gerecht werden. Wer an solch einem Ort etwas ändern möchte, kann sich in Hamburg an die „Öffentliche Gestaltungsberatung“ wenden. Ein Team von Designstudierenden um Professor Jesko Fezer von der Hochschule für Bildende Künste (HFBK) berät hier Menschen bei Projekten zur Um- und Neugestaltung in ihrem Stadtteil. Nun hat Fezers Team sein Wissen ins Internet gestellt. Das Lernangebot soll Gleichgesinnte und Designinteressierte dabei unterstützen, eigene öffentliche Gestaltungsberatungen (ÖGBs) ins Leben zu rufen – und so zu mehr Partizipation in der Gestaltung des öffentlichen Raums beizutragen.

Schon 2011 etablierte Jesko Fezer, Professor für Experimentelles Design an der HFBK, gemeinsam mit Design-Studierenden und der Initiative Gemeinwesenarbeit auf St. Pauli (GWA) eine wöchentliche Öffentliche Gestaltungsberatung – die erste ihrer Art in Deutschland. Gut zehn Jahre nach dem Start der ÖGA geben die Design-Berater*innen nun ihr gebündeltes Wissen und ihre Erfahrung mit dem HOOU-Lernangebot How to Gestaltungsberatung weiter – in der Hoffnung, mehr Menschen für die Idee zu begeistern. Einer dieser Berater ist Philipp Cartier. Er studiert Experimentelles Design im Master bei Fezer. An seinem Engagement bei der ÖGB gefallen ihm die Nähe zum Projekt und den Menschen dahinter sowie die direkte Anwendung und Erweiterung seines Wissens in der Praxis. „Ich lerne unglaublich viel Neues über Gestaltung, obwohl ich das eigentlich ja studiert habe“, sagt Cartier. Ein Jahr lang haben die Studierenden der ÖGB-Gruppe um Fezer an einem frei zugänglichen Lernangebot inklusive Website gefeilt. Das Ergebnis ist nicht nur ein Tool zur Schulung in Designfragen, sondern stellt Gestaltung in den Dienst von Partizipation und demokratischer Teilhabe. „Das HOOU-Lernangebot lädt alle Interessierten dazu ein, die Welt aus anderen Perspektiven zu betrachten“, so Fezer.

Fallbeispiel: Ein neues Kiez-Café stärkt die Gemeinschaft

Wie öffentliche Gestaltungsberatung funktioniert, lässt sich gut an der Neugestaltung eines Cafés im Hamburger Szene-Stadtteil St. Pauli ablesen. Ohne die Beratung durch Fezers Team wäre vermutlich ein hippes Café im klassischen Produkt- und Industriedesign entstanden, vielleicht sogar eine Art Co-Working-Café, das Menschen mit schöner Atmosphäre, gutem WLAN und einer Kaffee-Flatrate anlockt. Die ÖGB jedoch nimmt einen Perspektivwechsel vor und verlagert den Fokus von der wirtschaftlichen Relevanz auf die soziale: Die öffentlichen Gestaltungsberater*innen schaffen stattdessen gemeinsam mit den Projektinitiator*innen einen Ort, der das Gemeinschaftsgefühl im Kiez stärkt. Das Café soll Nachbar*innen zusammenbringen und die Menschen im Viertel dazu einladen, wieder mehr ins Gespräch zu kommen. Ein Element, das verbinden soll, ist z.B. eine passgenau über bestehendes Mobiliar gestülpte große Holzplatte, die aus mehreren Einzelsitzen eine gemeinsame Bank-Plattform macht. Das Beispiel zeigt: Die Gestaltung richtet sich an neuen Zielen aus – auch wenn die Designprozesse an sich dieselben sind.

So funktioniert „How to Gestaltungsberatung“

Wer das Lernangebot How to Gestaltungsberatung startet, erfährt zunächst, was eine Gestaltungsberatung ist und wie sie funktioniert. Es wird beschrieben, woher die Idee kommt, welche Projekte es in der Vergangenheit gab und wie man eine eigene Gestaltungsberatung startet. Vom Erkennen eines Problems über seine Formulierung bis hin zu Konzeptentwicklung, Umsetzung und Gebrauchserfahrung durchlaufen die Nutzer*innen des Lernangebots den gesamten Prozess. Da in der Praxis nicht jeder Gestaltungsprozess gleich abläuft, kommen auch mögliche Herausforderungen zur Sprache – mitsamt hilfreichen Lösungsvorschlägen. Wer tiefer in die Theorie einsteigen möchte, findet zudem eine Auswahl an weiterführenden Texten.

Kreativ, unterhaltsam, lehrreich

Bei How to Gestaltungsberatung sticht sofort der kreative Aufbau der Website ins Auge: Sie verläuft nicht, wie sonst üblich, von oben nach unten, sondern von links nach rechts. Wie eine Art Präsentation läuft sie parallel zu einer Audiospur ab. Eine gelungene Mischung aus theoretischer Wissensvermittlung und Mitschnitten von Diskussionen unter den Studierenden lässt die 53 Minuten wie im Flug vergehen. Insgesamt umfasst das Lernprogramm sechs Audio-Online-Lektionen, die aufeinander aufbauen. Trotzdem können die Nutzer*innen auch zwischen den Lektionen springen und die Audiospur jederzeit anhalten. Das ist insbesondere sinnvoll, um die Referenzprojekte genauer zu studieren oder die Videos aus Workshops in Ruhe anzuschauen. Lernmaterialien zu den wichtigsten Inhalten sowie praktische Arbeitshilfen gibt es zum Download.

Das gesamte Angebot ist darauf ausgerichtet, Personen mit Design-Vorkenntnissen den Schritt in die Anwendung zu ebnen. „Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Arbeit in der ÖGB wirklich berufsqualifizierend ist. Die Studierenden arbeiten in echten Projekten vom Briefing und ersten Kennenlernen bis zur Umsetzung“, sagt Fezer.

 „Design ist grundsätzlich immer politisch“ – ÖGB als politisches Statement

Öffentliche Gestaltungsberatung beschäftigt sich im Vergleich zu klassischen Designansätzen fast ausschließlich mit Problemen und Themen, die sonst von Gestaltungsprozessen ausgeschlossen werden. Menschen, die sich professionelles Design für ihre Ideen und Projekte nicht leisten können, oder keinen kulturellen Zugang dazu haben, bekommen damit ein ermächtigendes Tool an die Hand. Das schafft Räume für gesellschaftliche Teilhabe – schließlich versteht sich die Gestaltungsberatung nicht nur als Angebot für, sondern gemeinsam mit Menschen und ihren Projekten. Im kollektiven Prozess zeigt sich dabei immer wieder, dass individuelle Defizite wie Armut, Verdrängung oder Bildungsmangel in politische Zusammenhänge eingebunden sind. Wer sich damit auseinandersetzt, erweitert den persönlichen Horizont und lernt zugleich mehr über die Lebenswelten und Vorstellungen seiner Mitmenschen.

„Die Gestaltungsberatung ist in besonderem Maße und vielleicht auf eine aktive, selbstbewusste Form politisch, indem sie die Fragen thematisiert: Für wen und mit wem arbeiten wir? Auf welches Ziel arbeiten wir hin und können wir mit darüber entscheiden, ob wir das tun wollen oder nicht?“

– Jesko Fezer

Epidemiologische Detektivarbeit

Lothar Wieler, Marylyn Addo, Christian Drosten – die Corona-Pandemie hat uns die Arbeit von Wissenschaft und Public Health-Praxis nähergebracht. In dem von der HAW Hamburg und der Hamburg Open Online University (HOOU) gemeinsam entwickelten Serious Game „Epidemic Disease Detective“ – kurz „EDDi“ – erforschen wir nun selbst einen Infektionsausbruch und werden so zu virtuellen Kolleg*innen von Drosten und Co. Das Lernszenario ist Teil des Lernangebots der HOUU und wurde von einem interdisziplinären Team auf Grundlage des Game-based Learning entwickelt. Damit soll EDDi eine spielerische Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis in der akademischen Lehre bilden. Die Beta-Version ist momentan nur auf Englisch verfügbar, eine deutsche Version soll folgen. Im Test haben wir Lerneffekt und Spielspaß näher unter die Lupe genommen.

Keine Zeit zum Ankommen

Das Spiel beginnt damit, dass ich meinen Arbeitsvertrag beim Hamburger Gesundheitsamt unterschreibe. Als Junior-Epidemiolog*in habe ich die Aufgabe, die öffentliche Gesundheit zu überwachen, zu verbessern und zu schützen. Nachdem ich meine Unterschrift unter den Arbeitsvertrag gesetzt habe, flattert direkt die erste Mail auf meinem Handy ein – mein neuer Chef begrüßt mich. Eigentlich müsste ich meinen Arbeitsplatz erst einmal sortieren, denn hier gibt es einiges zu entdecken, doch das Handy meldet sich schon wieder: Mein neues Team lädt mich zum gemeinsamen Grillen ein. Wird es trotz vollem Schreibtisch am Ende ein entspannter erster Arbeitstag?

Nach einem Schluck aus meinem virtuellen Kaffeebecher piept mein Handy erneut. Mehrere Kinder wurden mit Verdacht auf das Hämolytisch-urämische Syndrom ins Krankenhaus eingeliefert. Das was? Als epidemiologischer Laie bin ich ratlos. Gut, dass auf meinem Schreibtisch auch ein wissenschaftliches Nachschlagewerk zu Infektionskrankheiten liegt! Ich suche den Eintrag zu dem Syndrom und finde: klingt nicht gut.

Was ist jetzt zu tun? Mein Schreibtisch enthält eine Landkarte Hamburgs sowie ein liebevoll gestaltetes Heftchen, dass mir die Stadt kompakt näherbringt und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Fakten vorstellt. Doch das bringt mich gerade nicht weiter. Mir fällt der gelbe To-Do-Zettel auf, der mich darauf hinweist, dass die Beweisfindung der wichtigste Punkt im Spiel ist. Ich lese den mir zugesandten Statusbericht noch einmal genau durch. Eher durch Zufall verstehe ich, wie die Spielmechanik hier funktioniert – doch dann geht sie leicht von der Hand. Wie ein Detektiv suche ich mir die wichtigsten Informationen zusammen, markiere sie und übertrage sie in mein Notizbuch.

Du entscheidest – mit weitreichenden Folgen!

Ich habe nun also die Wahl, ob ich die Erkrankung der Betroffenen ernst nehme oder aufgrund der niedrigen Fallzahl keine weiteren Schritte veranlasse. Die Corona-Pandemie hat mich gelehrt, dass auch bereits wenige Fälle weitreichende Auswirkungen haben können. Deshalb entscheide ich mich, dem Ganzen mit höchster Aufmerksamkeit nachzugehen.

Die Wahl zwischen verschiedenen Antwortmöglichkeiten zieht sich durch das gesamte Spiel. Ich habe es also selbst in der Hand, wie mein Team vorgeht und sich das Spiel entwickelt. Meine Entscheidungen haben dabei nicht nur Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen, sondern verändern auch das Vertrauen der Bevölkerung in mich sowie die wirtschaftliche Zufriedenheit. Zu einem späteren Zeitpunkt kommt zudem der öffentliche Druck hinzu, der es vermutlich auch den echten Epidemiolog*innen enorm erschwert, in Ruhe wissenschaftlich zu arbeiten. Und so gilt es, Ruhe zu bewahren, während die Fallzahlen in die Höhe schnellen, ein Bericht nach dem anderen eintrifft und ich genaue wissenschaftliche Detektivarbeit leisten muss, um die Ursache für den Infektionsausbruch aufzuspüren und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

Fazit

EDDi bietet einen interessanten Ansatz, um einen spielerischen Eindruck in die Arbeit von Epidemiolog*innen zu gewinnen. Die Spieloberfläche ist wenig spektakulär, dafür aber schön realistisch gehalten. Für Schwung sorgen die abwechslungsreich formulierten Mails und die unterschiedlichen Antwortmöglichkeiten, die den Arbeitsplatz zu einer immersiven und interaktiven Umgebung machen. Insgesamt stehen das exakte wissenschaftliche Arbeiten und eine gute Organisation im Mittelpunkt, denn alle Dokumente müssen genau untersucht und im Blick behalten werden. Dazu gibt das Spiel einen guten Eindruck in die Hektik eines Krankheitsausbruchs und die damit verbundenen Dynamiken, die einen schnell ins Schwitzen kommen lassen. Zudem ist das Spiel in eine ganze Reihe von Hybrid Teaching-Methoden eingebunden, so dass es vor allem für Studierende aus den Bereichen Gesundheitswissenschaften, Public Health, Epidemiologie und Medizin eine Menge zu entdecken gibt. Anspielen lohnt sich – in Kürze dann auch die Vollversion!

Hamburg hOERt ein HOOU! Mit Serious Games Epidemien verstehen

Mitwirkende:
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Juliane Bönecke
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Christian Friedrich
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Maik Helfrich

Downloads:

Nach längerer Sommerpause startet Hamburg hOERt ein HOOU in die neue Podcast-Saison: Christian Friedrich spricht mit Juliane Bönecke und Maik Helfrich über das von Ihnen und ihren Teams entwickelte Spiel EDDI (Epidemic Disease Detectives Hamburg). Spielende haben die Aufgabe, die Auswirkungen einer sich ausbreitenden Epidemie einzudämmen und detektivisch zu erspüren, was der Erreger der Epidemie sein könnte. Das Szenario basiert auf einem realen Fall aus der Stadt Hamburg.

Das Podcast-Team freut sich sehr über Feedback und Empfehlungen!

Shownotes

Projekt EDDI bei hoou.de: https://www.hoou.de/projects/eddi-epidemic-disease-detectives-hamburg/preview

EDDI im Gamesmaster Wiki: https://wiki.gamesmaster-hamburg.de/display/EDDI/EDDi+-+Epidemic+Disease+Detective+Hamburg

Juliane Bönecke @ Twitter: twitter.com/jlnbnck / @jlnbnck

Juliane Bönecke: https://www.haw-hamburg.de/hochschule/beschaeftigte/detail/person/person/show/juliane-boenecke/

Maik Helfrich: https://www.haw-hamburg.de/hochschule/beschaeftigte/detail/person/person/show/maik-helfrich/172/

GamesLab der HAW Hamburg: http://www.gamesmaster-hamburg.de/

Instagram-Account vom GamesLab
https://www.instagram.com/gamesmasterhamburg/

Weitere Spiele auf hoou.de

Hausarbeit mit Horst https://blogs.hoou.de/horst/
Abenteuer Rechtsmedizin – Können Sie den Fall lösen?
https://www.hoou.de/projects/63cf2148-9669-4d84-be8b-decefa28e08e-1/preview

Portrait: Juliane Bönecke

Lizenz: Juliane Bönecke, CC BY-SA 4.0

Portrait: Mail Helfrich

Foto von Leonie Saremba, 2020

Weitere Links

Hamburg hOERt ein HOOU! Exponentielles Wachstum verstehen und damit umgehen: https://www.hoou.de/blog/episodes/hamburg-hoert-ein-hoou-exponentielles-wachstum-verstehen-und-damit-umgehen

Ralf Reintjes, HAW Hamburg: https://www.haw-hamburg.de/hochschule/beschaeftigte/detail/person/person/show/ralf-reintjes/

Kooperationspartner

Bernhard-Nocht-Institut füt Tropenmedizin (International Teaching and Capacity Building): https://www.bnitm.de/forschung/forschungsgruppen/epidemiologie-und-diagnostik/abteilung-infektionsepidemiologie/international-teaching-and-capacity-building-itcb

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